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NEWS – News 12. 11. 2002
US-Bischöfe
diskutieren Umgang mit Missbrauch
Bei der
Herbstvollversammlung der US-Bischofskonferenz diskutieren die
US-amerikanischen Bischöfe erneut über den Umgang mit
Priestern, die des sexuellen Missbrauchs verdächtigt werden.
Eine im Juni beschlossene diesbezügliche Richtlinie war vom
Vatikan als dem Kirchenrecht widersprechend abgelehnt worden.
Bei
der Herbstvollversammlung, die bis 14. November in Washington
stattfindet, geht es um die neue Fassung der Missbrauchs-Richtlinien,
so wie sie in Zusammenarbeit mit dem Vatikan novelliert worden sind.
In einer kämpferischen Rede zeigte sich der Vorsitzende der
US-Bischofskonferenz, Bischof Wilton Gregory, vor seinen Amtskollegen
entschlossen, das Problem "Kirchlicher Umgang mit
Missbrauchsfällen" endgültig zu lösen. Es gebe
kein Abgehen von einer Linie des Mitleidens mit den Opfern und von
einer entschlossenen Kinderschutz-Politik, betonte
Gregory.
Abstimmung
am Mittwoch
Die 200 in Washington versammelten
Bischöfe werden voraussichtlich am Mittwoch über die von
einer hochrangigen Arbeitsgruppe aus vatikanischen und
US-amerikanischen Vertretern revidierten Entwürfe der "Normen"
und der "Charta" in Sachen sexueller Missbrauch durch
Priester abstimmen. Die von den Bischöfen verabschiedeten
Entwürfe müssen dann noch einmal im Vatikan vorgelegt
werden, damit sie die "recognitio" erlangen und damit
kirchliche Gesetzeskraft erlangen.
Vatikan
lehnte Richtlinien ab
Die ursprüngliche
Fassung der Richtlinien war vom Vatikan als teilweise nicht mit dem
Kirchenrecht vereinbar abgelehnt worden. Die neue Version sieht unter
anderem keine zwingende Suspendierung eines Priesters nach einer
"glaubhaften Anschuldigung" mehr vor. Vielmehr soll ein
dreistufiges Verfahren eingeführt werden, an dessen Anfang eine
sofortige "Voruntersuchung", das heißt eine
vertrauliche Befragung durch den zuständigen Bischof steht.
Offenbar wird die Gemeinde, so lange die Unschuldsvermutung gilt,
nicht über die Anschuldigung informiert. Erst danach kann und
soll ein Geistlicher mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern
entbunden werden. Wenn der Verdächtigte seine Unschuld beteuert,
sieht die Neufassung eine Anhörung vor einem diözesanen
Kirchengericht vor, dem mindestens ein Priester angehören
soll.
Opferverbände
befürchten einen "Rückfall in die Kultur der
Geheimhaltung"
Am Rand der
Bischofsberatungen in Washington kam es zu vereinzelten Protesten der
Vertreter von Opferverbänden. Eine Gruppe von Mitgliedern der
Opfer-Vereinigung "SNAP" machte bereits am Tag vor der
Eröffnung der Bischofskonferenz mit einer Pressekonferenz und
Protestaktionen auf ihr Anliegen aufmerksam. Die Aktivisten fürchten,
dass die Bischöfe ihre im Juni in Dallas beschlossene
Null-Toleranz-Linie gegenüber schuldig gewordenen Priestern
wieder zurücknehmen könnten.
"Die vom Vatikan
geforderten Revisionen bringen uns zurück zum 'Status quo' der
achtziger Jahre, als viele Täter ungestraft davonkommen
konnten", erklärte Peter Isely von SNAP. Insbesondere
kritisierte er die Tatsache, dass die Kirche nun abweichend von den
Dallas-Beschlüssen doch nicht mehr alle glaubhaften
Verdachtsfälle an die staatliche Justiz melden soll. Für
Opfer-Sprecher Isely wäre das ein "Rückfall in die
Kultur der innerkirchlichen Geheimhaltung, die so viel Unheil
angerichtet hat".
Unterstützung
für die Opferverbände
Die
Opfer-Vereinigungen, die nach eigenen Angaben in den vergangenen
Monaten einen enormen Mitgliederzuwachs verzeichnen, fordern bei
ihrer Kampagne ein Festhalten an der Null-Toleranz gegenüber den
Tätern. Als Verbündete setzen sie vor allem auf die Medien,
sowie auf "Querdenker" in den Reihen der Hierarchie. So
erklärte unlängst der Chefredakteur der einflussreichen
Jesuitenzeitschrift "America", P. Thomas Reese SJ, dass die
von Rom vorgeschlagene Einführung einer Verjährungsfrist,
die auf bischöflichen Antrag jedoch vom Vatikan im Einzelfall
aufgehoben werden kann, für Unklarheit sorge. Er befürwortete
eine erneute Bearbeitung der Normen. Die gemischte
US-amerikanisch-vatikanische Kommission hatte dafür plädiert,
dass pädophile Priester nur dann suspendiert werden können,
wenn die Anzeige spätestens bis zum 28. Geburtstag eines
möglichen Opfers erfolgt.
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News zum Thema:
- 05.11.2002: US-Bischöfe
veröffentlichen revidierte Normen zu Missbrauchsfällen
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18.10.2002: Vatikan lehnt Beschluss von US-Bischöfen zu
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- 09.08.2002: US-Priester nach
Missbrauch zwangslaisiert
- 25.06.2002: Missbrauch: Chicagos
Erzbischof entlässt acht Priester
- 13.06.2002:
US-Kardinäle sprachen mit Missbrauchsopfern
- 25.04.2002:
USA: Bischof entschuldigt sich per Inserat für
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- 23.04.2002: Papst verurteilt
Pädophilie als Verbrechen
- 23.04.2002: US-Bischöfe
für "Null- Toleranz" gegenüber pädophilen
Priestern
- 20.03.2002: USA: Sexskandal erschüttert
katholische Kirche in den Grundfesten
Enthoben vom
Internet @
http://religion.orf.at/projekt02/news/0211/ne021112_us_missbrauch_fr.htm
[
Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 9. September 2004 ]
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