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Seite 00 der aktuellen Ausgabe der (Sulinger Kreiszeitung)
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LANDKREIS DIEPHOLZ
– 8. Mai
2006 ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Ein
Rundgang voller Emotionen
Ehemaliger
Fürsorgezögling besucht nach 40 Jahren die Diakonie
Freisattt
FREISTATT
• „Hier waren die Toiletten, und in diesem Bereich war
früher unser Gemeinschaftsraum“. Der heute 61-jährige
Willi Komnick erinnert sich trotz der baulichen Veränderungen
nur zu gut an die damalige Zeit, als er in der Diakonie Freistatt von
1961 bis 1963 als Fürsorgezögling im Haus Neuwerk
untergebracht war.
Viele Jahre hat er diese Erinnerungen
verschwiegen und konnte nicht darüber reden. Jetzt nach über
40 Jahren steht er vor seinem ehemaligen Fürsorgeheim und will
die Vergangenheit noch einmal für sich verarbeiten.
„Als
ich jetzt nach dieser langen Zeit in meine Akte schauen konnte, war
ich schon überwältigt. Da kamen viele schlimme Erinnerungen
aus meiner Kindheit in mir hoch“, so Willi Komnick.
Für
ihn stellte sich in diesen Momenten immer wieder die Frage: „Warum
haben sie mich mit acht jahren in ein Heim gesteckt?“ Und
später die Zeit in Freistatt? „Natürlich habe ich
Blödsinn gemacht und war auch nicht schuldlos an meiner
Situation. Aber wie wir behandelt wurden, welche Schikanen wir
erlebten, das war wirklich schlimm. Zudem hat mir immer eine
Vertrauensperson gefehlt, die mir half und in schwierigen Situationen
zu mir stand“, so der heute 61-Jährige.
Trotz aller
Erinnerungen ging er ganz ruhig durch das heutige Haus Neuwerk,
schaute sich sein damaliges Zimmer an, unter den Zöglingen auch
Zelle genannt, und erklärte seiner jetzigen Frau Gerda die
Erlebnisse von damals.
So gelassen er sich äußerlich
zeigte, so Aufgewühlt war er im Inneren. „Ich kenne meinen
Mann genau und merke, wie ihm diese Eindrücke auch nach 40
Jahren noch belasten. Um das zu verarbeiten, braucht er sicherlich
einige Tage“, so Gerda Komnick. Aber genau aus diesem Grund ist
Willi Komnick nach Freistatt gefahren: „Ich finde es toll, dass
das heutige Bethel und die Geschäftsführung der Diakonie
Freistatt uns helfen, die damalige Zeit aufzuarbeiten. Mir hilft es
wirklich, und ich steige mit einem ganz anderen Gefühl in mein
Auto, wenn ich Freistatt heute verlasse, weil ich miterleben konnte,
wie sich alles verändert hat: Das den Jugendlichen in den
heutigen Einrichtungen geholfen und ihnen Menschlichkeit entgegen
gebracht wird.“
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