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Artikel von Matthias Schrief vom Samstag 23. Dezember 2006 in der aktuellen Ausgabe der
Nr. 298 "RHEINER VOLKSBLATT" - eine Zeitungsausgabe der "Münsterländische-Volkszeitung" -
»"Dem Zögling die Dankbarkeit mit dem Zuchtstock eingebläut"«
von Patern der katholischen Brüdernschaft "Missionare vom Heiligen Herzen Jesu (Hiltrup)
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in dem katholischen "Zöglingsheim" ( Kloster ) "Johannesburg" im Börgermoor bei Papenburg.
( heute "Jugendhilfeeinrichtung" "Surwold Bürgermoor" in Trägerschaft der "Hiltruper Herz-Jesu Missionare" ).
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Dem Zögling die Dankbarkeit mit dem Zuchtstock eingebläut ![]() Bald 60 Jahre sind vergangen, aber die zwei Jahre im katholischen Jugendheim Johannesburg bei Papenburg haben den ehemaligen Zögling nie wieder los gelassen. Die dort erlebten Geschichten wühlen immer noch in dem Bahnpensionär. Foto: Schrief Dorsten weiß heute noch in allen Einzelheiten vom ersten Tag in der Johannesburg zu erzählen. Es ist der 13. März 1947. Von nun an ist er Zögling der Abteilung „Hochland“: Schlafsaal mit 35 Jungen, je ein Bett, je ein Spint. Es gibt einen Speisesaal, der auch als Aufenthaltsraum dient. Wie die meisten anderen Jungs wird Dorsten in der Landwirtschaft eingesetzt. „Eine Berufsausbildung gab es damals für uns nicht“, sagt Dorsten. Das Heimleben war kein Zuckerschlecken. Damit konnte sich Zögling Dorsten allerdings bald abfinden. Aber noch heute kommt die Wut in ihm hoch, wenn er an die Prügel denkt, die er von den Erziehern einstecken musste. „Wissen Sie, es war damals nicht unüblich, dass Jugendliche rauchten. Wir besorgten die Zigaretten ja von den Besatzungssoldaten“, schickt er seiner Episode voraus. Auch im Kloster Johannesburg wurde Tabak angebaut. Dorsten hatte sich verkümmerte Pflanzen besorgt und sie auf einem freien Feld erfolgreich hoch gezogen. „So hatte ich immer was zu rauchen.“ Das war den Zöglingen allerdings nicht erlaubt. Irgendwann muss was rausgekommen sein. Jedenfalls stoppte ihn Bruder E. - dessen Markenzeichen ein Holzknüppel war, den er immer dabei hatte - auf dem Weg zum Mittagessen. „Dorsten, mach' deine Taschen leer!“, fuhr er den Zögling an. Die Tabakblätter fielen zu Boden: „Was glauben Sie, was da los war? Der hat so lange auf mir herumgehauen, bis sein Knüppel kaputt war“, sagt Dorsten. „Der hat so lange auf mir herumgehauen, bis sein Knüppel kaputt war.“ Josef Dorsten Als er der Mutter das Leben im Heim in einem Brief beschrieben hatte, gab es wieder Prügel. „Der Pater Direktor hielt mir zunächst eine Standpauke über das Leben im Heim. Und damit ich auch ja nicht vergesse, wie gut ich es habe, verpasste er mir eine Tracht, die sich gewaschen hatte.“ Noch schlimmer kam es beim dritten Mal. „Das war perfide, gemein, ungerecht. Dafür hasse ich sie heute noch“, schimpft der 74-Jährige. Zusammen mit seinem Freund Josef „Jupp“ R. war er vom Heim an einen Bauern in der Nachbarschaft zum Arbeitseinsatz „ausgeliehen“ worden. „Eigentlich ein schöner Tag. Denn beim Bauern gab es tolles Abendessen“, erinnert sich Dorsten. Und der Bauer lud die beiden Jungs auch zum Rauchen ein. „Als der Bauer uns abends wieder zur Johannesburg brachte, hatte er allerdings nichts Besseres zu tun, als im Sekretariat zu berichten, dass wir schlecht über die Johannesburg sprechen und auch rauchen.“ Die Strafe erfolgte in der Nacht. „Dorsten komm!“, rief ihn der Pater zu sich ins „Kämmerchen“. Nur mit dem Nachthemd bekleidet, musste der Zögling antanzen. „Ich musste mich bäuchlings über den Stuhl legen. Der Pater straffte dann das Nachthemd schön glatt über den Po und dann gab es so 20 Hiebe mit dem Rohrstock. Kurze Pause. Dann sagte er genüßlich: So - und jetzt noch mal 20 Schläge“, berichtet Dorsten. Als der Pater mit Züchtigung des Zöglings Dorsten fertig war, sagte er nur: So, und jetzt schick mir den Jupp vorbei.“ Es war vielleicht auch die Atmospähre von Befehl und Gehorsam, die die Zöglinge sexuellen Missbrauch kritiklos hinnehmen ließ. „Ja, er hat sich an mir vergangen. Er hat es mit mehreren gemacht.“ Josef Dorsten Dorsten erinnert sich: „da gab es einen Bruder, der konnte singen wie ein Engel. Aber so gut er singen konnte, so schlecht war sein Charakter.“ Eines Nachts habe der Bruder ihn angesprochen: „Josef, möchtest du wohl ein Pfeifchen rauchen?“ Klar wollte Josef. „Dann komme mit auf mein Zimmer“, forderte der Bruder den damals 16-jährigen auf. Der Zögling saß auf dem Bett, schmauchte das Pfeifchen - bis ihn der Bruder zu sich zog. „Ja, er hat sich an mir vergangen“, sagt der heute 74-Järige in aller Offenheit. Kein Einzelfall. „Das hat er mit mehreren Jungs gemacht“, sagt Dorsten. Aufgeflogen ist der Bruder erst, als eine Gruppe Zöglinge zusammen im Bett erwischt wurde. „Wieso, das lernt man hier doch“, konterte einer der Erwischten die Vorwürfe dem Pater Direktor über den Bruder, der die Knaben zu sehr liebte. Gab es Konsequenzen für den Bruder? „Ja, er wurde in ein anderes Heim versetzt“, sagt Dorsten. Trotz allem: Einmal im Jahr kehrt Dorsten zur Johannesburg zurück. „Wissen Sie, viele, die so etwas erlebt haben, brauchen einen Psychotherapeuten. Brauche ich nie. Denn ich hatte Bruder Schröer. Der hat mir damals über so manche schwere Stunde hinweggeholfen. Das war ein wirklich guter Mensch - ein Engel unter lauter Teufeln. Mit der Kirche hat der ehemalige Zögling seither abgebrochen. Aber an das Grab von Bruder Schröer kehrt er zurück. Der guten Seele seiner Zeit in der Johannesburg ist er ewig dankbar. Zum Thema Opfer klagen an “Das ist mir auch passiert.“ So meldete sich Josef Dorsten am 13. Dezember [2006] in der MV-Redaktion. Gerade hatte er den Artikel „Schuld und Sühne“ auf der Westfalen-Seite unserer Zeitung gelesen. Berichtet wurde über ehemalige Heimzöglinge, die vor dem Petitionsausschuss des Bundestages die Erlebnisse in deutschen Kinderheimen der Nachkriegszeit geschildert hatten. „Erschütternde Zustände von unglaublichen Missständen“, hieß es in dem Bericht. Gewalt, der Zwang zum Arbeitseinsatz und sexueller Missbrauch wurden genannt. Die Interessen der Opfer vertritt inzwischen der „Verein ehemaliger Heimkinder e. V.“ ( [ jetzig ] Tel.: 040 - 530 22 034 - Fax: 040-530 22 047 - E-Mail: info@veh-ev.org | www.veh-ev.org ) |
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Metatags zum Thema "Ehemalige Heimkinder" im "Wirtschaftswunderland Westdeutschland": Matthias Schrief – Rheiner Volksblatt – Münsterländische-Volkszeitung – Dem Zögling Dankbarkeit mit dem Zuchtstock eingebläut – Zögling – Zuchtstock – katholischen Brüdernschaft – Missionare vom Heiligen Herzen Jesu – Hiltrup – Zöglingsheim – katholischen Zöglingsheim – Johannesburg – Kloster Johannesburg – Kloster Johannesburg im Börgermoor – Kloster Johannesburg im Börgermoor bei Papenburg – Börgermoor – Börgermoor bei Papenburg – Papenburg – Jugendhilfeeinrichtung – Jugendhilfeeinrichtung Surwold Bürgermoor – Surwold Bürgermoor – Surwold – Bürgermoor – Hiltruper Herz-Jesu Missionare – Josef Dorsten – Jugendheim Johannesburg – Hölle – es war die Hölle – harte körperliche Arbeit – Stockschläge – sexueller Missbrauch – Scheinheiligkeit – Scheinheiligkeit der Patres – Scheinheiligkeit der Patres – Scheinheiligkeit der Patres und Brüder – Patres und Brüder – Pater – Bruder – Patres – Brüder – Heimzöglingen – Dorsten – Jugendzeit – Jugendgefährdung – Minderjährigen – Heimplätze – Rettungshäuser – Besserungsanstalt – Gefängnismauern – Moor – Moores – Genossenschaft der Missionare vom Heiligen Herzen Jesu – Erziehungsanstalt – Landwirtschaft – Berufsausbildung – keine Berufsausbildung – Heimleben – Prügel – Erziehern – Holzknüppel – Züchtigung – Befehl und Gehorsam – Bruder Schröer – ein Engel unter lauter Teufeln – Opfer klagen an – Schuld und Sühne – Petitionsausschuss des Bundestages – Erlebnisse in deutschen Kinderheimen der Nachkriegszeit – Erschütternde Zustände von unglaublichen Missständen – Gewalt – Zwang zum Arbeitseinsatz – Verein ehemaliger Heimkinder e. 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