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Betr.:
Martin [ M i t c h e l l ], geb. 28.7.1946 Bezug: Dort.
Schr. v. 14.5.63 III D 2 l
Es wird von dort [vom
Landesjugendamt Berlin aus] um einen weiteren Bericht
über [den "Fürsorgehäftling"]
Martin [Mitchell] gebeten. Wir verweisen auf unsere Zeilen vom
6.3.d.J. Inzwischen hat Martin [seinen
vierwöchigen
ihm von dem Jugendschöffengericht in Sulingen, am 26.
April 1963 auferlegten] ["]Dauerarrest["]
– AG Sulingen v. 26.4.63 – 9 Ls 12/63 – vom
13.5.63 bis 10.6.63 im Heim Neuwerk [bzw. in
völliger Isolation in
einer vollständig leeren Zelle in unserer Anstalt
Freistatt**] verbüßt. Der
Freiheitsentzug hat ihn nicht so stark beeindruckt, wie die
zugeteilte Essenmenge [bzw.
weitgehend nur Wasser und Brot,
das er während dieser Zeit von uns erhielt ! ],
denn Martin ist ein starker Esser. [ ٪
] Zwar gibt sich
der Junge Mühe, den Anordnungen der Heimleitung
nachzu- kommen, doch steht er noch in Opposition zu den
Erwachsenen. Häufig wiederspricht er, lenkt aber auch aus
seinen Erfahrungen [mit vorherigen ihm
auferlegter Bestrafungen und
"körperlichen Züchtigungen"]
ein. Bei der Verrichtung der Arbeit ist er gründlich aber
langsam. Ein Wettbewerb unter den Jugendlichen [bzw.
ihm, wie
auch ebenfalls den anderen "Fürsorgehäftlingen",
aufgezwungene Akkordarbeit,
im Moor,
in der Landwirtschaft,
im Garten,
im Straßenbau oder im Hausbetrieb,
im Laufschritt] vermag ihn jedoch anzuspornen. [
٪
] Im Blick auf sein
verhalten zu den anderen Jungen muß man ihn noch als
Einzelgänger bezeichnen. Er hat niemanden, mit dem er sich
besser verstünde. [ ٪
] Seine
Freizeit verbringt er ausschließlich im Leseraum [
– die einzige Nicht-raucherzone;
wo auch absolutes Sprechverbot herrscht –
] und liest und schreibt. [
٪
] Er
hat aber auch Freude am technischen Zeichnen. [ ٪
] Bezüglich
Ordnung und Sauberkeit können wir uns nicht über
ihn beklagen. [ ٪
] Bis vor einiger
Zeit äußerte er den Wunsch,in Berlin Maurer zu
werden. Nachdem ihm sein Vater [der seit
dem 2. November 1962 mit seiner 2. Frau und drei Kindern aus
zweiter Ehe in Australien wohnt] über das australische
Konsulat aufgefordert hat, nach Australien zu kommen, möchte
er am liebsten sofort abreisen.
Martins Verhalten zur
Umwelt wird von Opportunismus bestimmt. Er steuert sich
weitgehend über den Verstand [Na so
was!]. Nach seinen Anlagen und Trieben möchte
er ganz sicher lieber etwas anders tun, als in geordneten
Bahnen zu leben. Es ist der Ueberlegung wert, ob es nicht das
Richtige wäre, Martin nach Australien auswandern zu
lassen.
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